Unterwegs auf dem Swiss Trans Trail


Durch das  Val de Ruz

Fürs kommende Wochenende sind 30 Grad angesagt. Es soll zudem trocken bleiben. Also nutzen wir die Chance auf eine zwei-tägige Tour. Schliesslich wissen wir nicht, wie lange der Sommer dieses Jahr dauern wird. Da ich am Sonntag noch zu einer Geburtstagsfeier eingeladen bin, beschliesse ich bis dorthin zu laufen. Ich merke, dass die Strecke vom Swiss Trans Trail fast an meinem Ziel entlang geht. Ich nehme mir also vor die 5., 6. und ein Teil der 7. Etappe zu machen. Da ich bereits im 2015 ein Teil der 7. und 8. Etappe gelaufen bin, kann ich die 7. Etappe somit beenden.  ( Etappe Bern- Lützelfüh)

Ich starte in Chézard- St- Martin. Die erste Herausforderung besteht darin ein Parkplatz zu finden. Ich bin relativ spät daran um meine Tour zu starten und bin deshalb nicht wie ursprünglich geplant mit den ÖVs angereist. In einem kleinen Dorfrestaurant erkundige ich mich ob ich einen Parkplatz bis am Sonntagabend mieten dürfte.
 
 Die freundliche ältere Dame sagt sofort ja. Sie möchte lediglich ein Kaffee. Ich spendiere ihr diesen natürlich gerne, inklusiv einem grosszügigen Trinkgeld. Ich verstaue meine Esswaren, die ich unterwegs noch gekauft habe und starte meine Wanderung. Die 6. Etappe des Swiss Trans Trail ist 12 Km lang und führt bis Neuchâtel. Ich habe noch nicht festgelegt wo genau ich übernachte. Mein Ziel ist es einfach morgen um ca. 11 Uhr in Ulmiz anzukommen. Ich laufe durch das Val de Ruz. Schnell finde ich das ideale Tempo für mich. Definitiv ein grosser Vorteil wenn ich alleine unterwegs bin. Ich kann genau in meinem Tempo laufen, so dass ich relativ lange ohne Pause gehen kann. Ich gehöre zu den langsamen Wanderern, dies ist mir aber relativ egal. Ich bleibe stehen wenn es mir passt und wann immer ich den Ausblick geniessen will. Ich laufe durch mehrere kleine Dörfer; ich fühle mich wie im Urlaub. Die Gegend hat einen tollen Charme. Nach Engollon laufe ich eine längere Strecke durch den Wald. Da die Temperaturen doch langsam steigen, geniesse ich die Kühle, die im Wald herrscht. Ich geniesse die Stille des Waldes und kann meinen Gedanken freien Lauf lassen. Bevor ich den Abstieg nach Neuchâtel in Angriff nehme, gönne ich mir eine verspätete Mittagspause. Während der Pause überlege ich mir wo ich übernachten könnte. Ich bin relativ spontan unterwegs und mag das auch. Es muss ja nicht immer alles durchgeplant sein im Leben.







 

Quer durch die Stadt und eine Pause am Pier

Ich sehe, dass ich in Neuchâtel noch aufs Schiff darf. Mangels geeigneter Wanderrouten ist die Überquerung des Neuenburgersees mit dem Schiff vorgesehen. Ich schaue auch kurz nach den Verbindungen und stelle fest, dass es mir auf das 16:00 Schiff nicht mehr reichen wird. Das nächste Schiff fährt erst um 18:00; ich habe also massig Zeit. Ich beschliesse auf dem Mont Vully zu übernachten. So ist mein Ziel für am Sonntag realistisch. Zudem ist es der aussichtsreichste Punkt auf meiner Wanderung. Ganz gemütlich gehe ich weiter und laufe durch den Wald bis Neuchâtel. In der Stadt bin ich sehr erstaunt, wie gut die Wanderwege zu sehen sind. Ich wandere relativ selten durch grössere Städte. In Bern achte ich zudem nicht wirklich auf die Wanderzeichen. Ohne mich zu verirren, finde ich den Hafen. Direkt neben dem Pier steht ein Mövenpickstand. Dies ist sicher ein Zeichen, dass ich mir eine Glace genehmigen soll. Zudem habe ich nun über eine Stunde Wartezeit. Ich gönne mir also ein feines Zvieri. Die Schiffsfahrt dauert 30 Minuten und ich geniesse meine fast 2 stündige Pause.


 

Von Cudrefin auf den Mont Vully

In Cudrefin angekommen, laufe ich entlang des Sees weiter. Inzwischen bin ich doch ziemlich verschwitzt. Da ich in Ufernähe laufe, werde ich nun so richtig von den Mücken attackiert. Das Paracord liegt natürlich Zuhause; ich rege mich über meinen Anfängerfehler kein Mückenschutz dabei zu haben, doch ziemlich auf. Ich muss ein lustiges Bild abgegeben habe da ich wild fuchtelnd durch die Gegend lief. Die Strecke führt durch den le Chablais. Er gehört zum Teil des grössten Schilfgebietes der Schweiz. Entlang des Canal de la Broye laufe ich bis zum Fuss des Mont Vully. Inzwischen ist es Abend geworden und die meisten sind entlang des Sees am grillieren. Ich werde auch langsam müde,  aber will den Mont Vully heute noch in Angriff nehmen. Der Anstieg ist ja nicht wirklich tragisch. Es sind lediglich etwas mehr als 200 Höhenmeter. Ein Kinderspiel also, sollte man denken. Der Aufstieg ist dann doch relativ steil aber zum Glück sehr kurz. Da ich bereits seit 6 Stunden unterwegs bin, empfinde ich den Aufstieg als relativ streng. Langsam spüre ich auch meine Füsse und ich sehne mich nach einem schönen Schlafplatz. Leider ist aber kein aussichtsreicher Platz in Sicht.



 

Die Suche nach dem perfektem Übernachtungsplatz

Ich nehme mir vor noch 30 Minuten zu laufen und danach einfach den erst besten Platz zu nehmen. Immerhin ist es bereits 21:00 Uhr. Nach 30 Minuten erreiche ich einen sehr  belebten Grillplatz. Soviel zur Freude in der Stille zu übernachten. Ich überwinde mich also noch einige Meter zu laufen. Es muss doch ein schöner Platz für mich geben. Meine Füssen wollen mich nur langsam nicht mehr tragen.

Tatsächlich finde ich nach wenigen Meter doch noch einen abgelegenen Platz mit schöner Aussicht auf den Murtensee. Direkt hinter einer Mauer ist eine kleine Wiese auf der sich perfekt schlafen lässt. Ich bereite mein Nachtlager vor und esse noch ein Snack. Zum kochen bin ich inzwischen zu müde und Appetit habe ich auch nicht wirklich. Kaum habe ich mich einigermassen eingerichtet erscheinen drei Jugendliche. Mit lauter Technomusik «chillen» sie nur wenige Meter entfernt  von mir. Ich will aber kein Streit vom Zaun brechen und ich kann ja auch niemandem verbieten sich hier aufzuhalten. Ich erkundige mich freundlich bei den Herren wie lange dass sie bleiben werden. Ich würde mir sonst einen anderen Platz suchen. Sie entschuldigen sich sofort und sagen das Sie nur kurz bleiben wollen. 

 

Eine ruhige Vollmondnacht

Tatsächlich kann ich mich kurze Zeit später in mein Schlafsack kuscheln. Das erste Mal, dass ich recht nahe am Wanderweg übernachte. Zudem haben mich einige Leute gesehen. Ich mache mir dadurch doch etwas mehr Gedanken als bei den anderen Übernachtungen. Immerhin bin ich ja doch ganz alleine. Erstaunlich schnell schlafe ich dann aber doch ein. Ich erwache nur einmal in dieser Nacht und fühle mich zu diesem Zeitpunkt sehr sicher. Am Morgen verschlafe ich sogar denn Sonnenaufgang. 

Der zweite Tag

Da es Sonntag ist, gönne ich mir das Frühstück im Schlafsack und starte dann um 8.00 Uhr. Schliesslich habe ich doch noch einige Kilometer vor mir. Nach wenigen Meter erreiche ich den Aussichtspunkt des Mont Vully und stelle erstaunt fest, dass hier einige Camper stehen. So alleine war ich also in dieser Nacht gar nicht. Ich wandere weiter bis Sugiez wo ich den Kanal überquere. Entlang des Murtensees geht es nun weiter bis Murten.





Durch den Chablais Wald nach Murten

Die Strecke bis Murten zieht sich doch mehr in die Länge, als ich erwartet habe. Die etwas mehr als zwei Kilometer durch den Chablais Wald sind aber einfach nur wunderschön. Im Naturreservat am Murtensee leben zahlreiche Amphibienarten, Hasen, Rehe, Füchse und Wildschweine sowie zahlreiche Vögel und Enten. Immer wieder hört man es im Unterholz rascheln. Ich sehe aber nur kurz ein Reh. Die Wildschweine sind zu scheu um sich zu zeigen. Früher wurde der Chablais Wald vor allem für die Wirtschaft genutzt. Die Pappeln wurden für die Herstellung von Streichhölzern genützt. Nun ist der Wald eine Naturschutzzone. Informationstafeln auf dem Weg bieten spannende Infos um die Gegend. Nach dem Wald laufe ich von Löwenberg entlang des Murtensees bis nach Murten. Auf diesem Abschnitt habe ich Begleitung von einer charmanten älteren Dame. Sie hat mich aufgrund meines Rucksackes angesprochen. Wir entwickeln ein Gespräch und laufen gemeinsam bis nach Murten. Ich bin erleichtert, dass ich die Stadt erreiche. Nach einer kurzen Trinkpause geht aber mein Weg weiter. Es liegen doch noch einige Kilometer vor mir und in einer halben Stunde sollte ich in Ulmiz sein. Ich schlage den Weg Richtung Münchwiler ein. Kurz nach Münchwiler verrät mir der Wegweiser, dass es bis Ulmiz noch 2 Stunde dauert. Ich gebe also kurz bescheid, dass ich mich verspäte.
 

 

Der letzte Teil hat es in sich

Ich durchquere mehrere Wälder. Im Rücken habe ich eine schöne Aussicht auf den Murtensee. In Chantemerle merke ich, dass ich anfange zu zittern. Ich esse kurz eine Kleinigkeit und mache nochmals 10 Minuten Pause. Im Schatten am Waldrand setze ich mich kurz hin. Als einige Hundehalter an mir vorbeilaufen, erkundigen sie sich sofort ob ich Hilfe benötige. Ich scheine dementsprechend ausgelaugt auszusehen. Schön ist es aber zu sehen, dass mir Hilfe angeboten wurde. Die beiden Herren boten mir auch an mich mit dem Auto nach Ulmiz zu bringen. Eigentlich ein verlockendes Angebot. Aber kurz vor dem Ziel wollte ich dann doch nicht aufgeben.
 

Mein Fehler war, dass ich keine grosse Pausen gemacht habe und ich den Zeitfaktor falsch eingeschätzt habe. Das ist der Nachteil, wenn man ohne grosse Planung losläuft. Wenn man noch eingeladen ist keine gute Idee. Ich treffe erneuert auf eine ältere Dame, die auch unterwegs ist. Wir plaudern zusammen bis sich unsere Wege wieder trennen. Kurz vor Lurtigen verlasse ich den Swiss Trans Trail und nehme die Abzweigung Richtung Ulmiz. Die Strecke von Ulmiz bis Neuenegg, welches auch Teil des STT ist, bin ich ja bereits gegangen.
Der Weg durch den Galmwald zieht sich gefühlsmässig unbeschreiblich in die Länge. Endlich erreiche ich die Stelle, die ich kenne und ich weiss das ich bald am Ziel bin. Die letzten Meter bin ich wieder voller Motivation. Auch Stolz empfinde ich, dass ich die Strecke doch noch geschafft habe. Ich war schon längere Strecken unterwegs. Ich habe da aber immer regelmässiger Pausen gemacht und auch längere Pausen.

Mit 1,5 h Verspätung habe ich mein Ziel erreicht. Ich kann den Nachmittag zusammen mit meiner Familie geniessen und kann mich zudem im Pool erfrischen. Nach dieser Wanderung doch perfekt.

Ich habe unterwegs beschlossen den Swiss Trans Trail nun ganz abzulaufen. Dies aber immer in Etappen. Im Juli versuchen wir uns ja noch an dem Jura Höhenweg.
 





 

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