Jura Höhenweg Etappe 2


Tag 2 Baldegg-Staffelegg


Der zweite Tag starte ich gemütlich, packe meine Sachen zusammen und laufe Richtung Brugg. Bei der heutigen Etappe freue ich mich besonders auf die Linde von Linn. Diese habe ich bereits vor einigen Jahren einmal gesehen, kann mich aber nur noch entfernt daran erinnern.

Begegnungen unterwegs

Kurz vor Brugg merke ich, dass ich in ein Blutzuckertief komme. Ich gönne mir ein Znüni. Interessant ist, als ich mit dem Apfelkerngehäuse in der Hand weiterlaufe ist ein Ehepaar gerade am Bäume schneiden. Ich überlege mir ob ich fragen kann mein Apfel in die Grünabfuhr zu legen. Die Frau scheint meine Gedanken zu lesen und öffnet den Behälter für mich mit einem «Bitte sehr» ich muss lächeln und bedanke mich. Wir kommen kurz ins Gespräch. Allgemein treffe ich viele sehr freundliche Leute, die sich nach meiner Tour erkundigen.




Unnötiger Ballast


Als ich in Brugg ankomme stehen mir bereits wieder einige Treppenstufen bevor. In diesem Moment wird mir klar, dass ich heute Abend meiner Mam einiges aus dem Rucksack mit nach Hause gebe. Sie wird mir Shila bringen und diese Gelegenheit kann ich so gleich nützen um unnötigen Ballast loszuwerden. Mein Rücken schmerzt mich bereits. Zudem habe ich an der Hüfte eine offene Wunde. Durch das Schwitzen und den Hüftgürtel des Rucksackes hat sich meine Narbe am Bauch entzündet und ist teilweise bereits offen.

Der Begriff Jura kommt aus der keltischen Zeit und bedeutet so viel wie Waldgebirge. Schattenspendende Wälder sind auch heute mein häufigster Wegbegleiter. Ich bin sehr dankbar dafür, da es doch sehr heiss ist. Ich erreiche die vier Linden als sich der Himmel sehr bedeckt und stürmisch zeigt. Ein Blick auf meine App zeigt mir, dass ein Gewitter aber erst für morgen zu erwarten ist. Auf diesem Abschnitt werde ich also noch nicht nass. Endlich erreiche ich auch mein heutiges Highlight die Linde von Linn. Ich hatte noch im Kopf, dass sie riesig ist; als ich mich aber unter die Linde setze, bin ich schon sehr beeindruckt.


Pause :)
 

Die Sage

Der Sage nach wütete zwischen Herbst 1667 und Januar 1669 die Pest. Der letzte Überlebende Mann in Linn soll ausserhalb des Dorfes ein Massengrab angelegt haben und schliesslich zum Andenken an die vielen Verstorbenen eine Linde gepflanzt haben. Die Linde wird auf 700-800 Jahre alt geschätzt und hat einen Stammumfang von 11 Meter.

Da für Montag inzwischen die Gewitterwarnung Stufe 2 vorgesehen ist, versuche ich eine Übernachtungsmöglichkeit zu organisieren. Ich schreibe einige Mails. Eine Übernachtung bei einem solch starken Gewitter draussen ist dann doch etwas zu gefährlich für mich. Eine perfekte Möglichkeit scheint das Übernachten im Stroh zu sein. Leider bekomme ich überall Absagen. Ich werde mir unterwegs Gedanken machen wie ich dieses Problem lösen kann. Übernachtungen mit Hund zu finden ist in der Schweiz leider gar nicht so einfach.

Nach meiner Pause unter der Linde muss ich das letzte Stück für heute in Angriff nehmen. Auf der Staffelegg werde ich schliesslich von Shila erwartet.


 

Das Gewitter und seine Folgen


Der nächste Aufstieg bringt mich wieder ziemlich ins Schwitzen. Zudem hat der Wind ziemlich zugenommen. Ich treffe auf ein älteres Ehepaar, welches mich ein Stück begleitet. Beide haben jedoch Respekt davor in den Wald zu gehen. Ich wandere weiter und erreiche bald die Burgmatt. Dort findet gerade ein Fest statt von einem Ski und Snowboardclub. Ich überlege mir kurz, ob ich mir etwas zu Essen gönnen soll. Da ich aber noch ein gutes Stück vor mir habe, entscheide ich mich dagegen. Ich komme nur noch wenige Meter weit,  als mich die erste Sturmböe erfasst. Der Sturm hat sich zwar bereits angekündigt, aber dass es gerade so heftig kommt, war für mich doch überraschend. Ich merke, dass ich im schützenden Wald wohl kurz abwarten muss. Ich getraue mich bei Blitz und Donner dann doch nicht auf das vor mir liegende freie Feld. Ich lege mein Rucksack ab und will das Ladegerät vom Handy hervor nehmen, da ich kein Akku mehr habe. Dieses wird mir aber prompt vom Wind weggefegt. Toll, nun stehe ich also ohne Kommunikationsmöglichkeit in einem hefigen Unwetter.



 

Die Retter

Nach wenigen Minuten fährt ein kleiner Transporter an mir vorbei. Dieser dreht nach nur wenigen Meter auch wieder um und überzeugt mich davon, dass ich einsteige. Die netten Herren sind vom Fest des Clubs und bringen mich zur Festhütte. Dort werde ich sehr freundlich empfangen. Die Herren bieten mir auch an in ihrer Hütte zu übernachten. Alle machen sich Sorgen und sind der Meinung, dass es viel zu gefährlich ist bei einem solchen Unwetter draussen zu übernachten. Ich werde schliesslich vom Fahrer auf die Staffelegg geführt. Da es ziemlich zu regnen anfängt bin ich sehr dankbar für diesen Service.

 Wie geht es weiter?


Auf der Staffelegg finde ich ein Platz zum Warten und habe nun drei Stunden Zeit mir Gedanken zu machen, wie unsere Wanderung weitergehen soll. Ich habe festgestellt, dass die Tour jeden Tag mehr als 1000 Höhenmeter hat. Für Shila doch eine sehr grosse Herausforderung. Zudem stehen weitere Unwetter an und ich finde keine Übernachtungsmöglichkeit für uns. Mir wurde von einigen Outdoor-erfahrenen Menschen nahe gelegt bei einem Gewitter nicht draussen zu übernachten. Ich habe hin und her überlegt wie ich am beste vorgehe. Immer wieder kam ich aber zu dem Gedanken, dass es das Beste ist, wenn ich hier meine Tour abbreche, einen Tag pausiere und am Montag auf dem Trans Swiss Trail neu starte. Nach drei Stunden hin und her überlegen, traf dann meine Mam mit Shila ein. So fuhren wir also zusammen nach Hause.
Lichtblick am Horizont
 

Ich war selber ziemlich enttäuscht über das frühe Ende meiner Tour, die Heimfahrt hat mir aber gezeigt, dass meine Entscheidung die Richtige war. Es waren diverse Strassen bereits gesperrt. Wie es sich zeigte kam in der Nacht noch einiges an Wasser herunter.

Ich weiss, dass ich vernünftig gehandelt habe, auch wenn es mir selber sehr schwer viel. Ich bekam auch Kommentare zu hören von wegen « Aber wie willst du dies auf dem E1 machen?» Nun auch da habe ich die Möglichkeit bei Unwetter meine Tour zu unterbrechen und gerade im oberen Abschnitt in Hütten zu übernachten. Die Etappen sind auch von Hütte zu Hütte geplant, und da einmal einige Tage ein Unwetter abzuwarten wird auch möglich sein. Auch hier wird es also Lösungen geben.

Morgentoilette unterwegs. Der Jura Höhenweg bietet auf den ersten 2 Etappen genügend Möglichkeit die Wasservorräte zufüllen.




 

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